Eine Auseinandersetzung mit dem vermeintlichen Tabu der weiblichen Masturbation



Von Carolin

Frauenpornos, Satisfyer, Yonimassagen: die weibliche Masturbation ist kein schmutziges Geheimnis mehr, sondern drängt sich immer weiter vor in die Gesprächsthemen. Das Stichwort „Sprechen“ hat das Startup Femtasy für sich beansprucht und entwickelt erotische Hörgeschichten speziell für Frauen. Sowohl männliche als auch weibliche Laien sprechen (und stöhnen) die Texte, es ist für jeden Geschmack etwas dabei, von sanft bis derb, aber immer sexy!

Bild: Femtasy

„Hallo Schönheit“, flüstert mir eine angenehme, tiefe Männerstimme ins Ohr. Nein, das ist nicht der Beginn eines Schundromans aus der Bahnhofsbuchhandlung, sondern viel mehr ein weiterer Schritt in der Bejahung der weiblichen Masturbation.

Zum ersten Mal wurde ich via Instagram auf Femtasy aufmerksam. Ich war sofort begeistert von diesem Konzept. Erotische Hörgeschichten, nur für Frauen. Von sinnlichem Szenario bis zum heißen „Telefonsex“, wo er mir sagt, wo und wie ich mich berühren soll, wird jede Fantasie bedient. Warum das eine so großartige Sache ist, dass man direkt einen Artikel darüber schreiben muss?

Nur 7% der Frauen masturbieren mehrmals wöchentlich

Fangen wir in der Geschichte ganz weit vorne an. Wusstet ihr, dass sich das Wort „Masturbation“ aus den lateinischen Begriffen „manus“ (Hand) und „stuprare“ (sich beflecken, beschmutzen) ableitet? Nein? Ich auch nicht, aber wenn man so darüber nachdenkt, ist es nicht überraschend. Masturbation war bis vor nicht allzu langer Zeit ein absolutes Tabuthema, etwas, worüber man weder mit jemand anderem, geschweige denn in der Öffentlichkeit sprach. Und die weibliche Masturbation? Nun ja. Über die wird teils heute noch geschwiegen. Während von Jungs ab Beginn der Pubertät förmlich erwartet wird, sich regelmäßig selbst zu befriedigen (denken wir nur an das legendäre „Kekswichsen“ aus dem Film Crazy), existiert das weibliche Pendant in vielen Köpfen überhaupt nicht.

Es gibt genug Studien und Befragungen, die sich damit beschäftigen, wer wann wieviel masturbiert. Die meisten können sich sicherlich denken, wie die Ergebnisse ausfallen, aber betrachtet man die Zahlen, wird so manch einer schlucken. Nur 12% der befragten Männer gaben an, nie zu masturbieren, bei den Frauen sind es doppelt so viele. Geht es an die Frage, wer mehrmals wöchentlich selbst Hand anlegt, bekannten sich 25% der Männer zu ihrer Lust. Bei den Frauen waren es lediglich 7%. Aber woher kommt das?

20 Orgasmen am Tag? Für Frau kein Problem!

Natürlich spielt auch unsere Erziehung eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, wie wir Sexualität empfinden. Häufig werden Kinder von ihren Eltern zurechtgewiesen, wenn sie beginnen, sich zu berühren und dabei eben auch entdecken, was sich schön anfühlt. So wird ein Erspüren des eigenen Körpers plötzlich als schmutzig empfunden und somit auch schambehaftet. Allerdings scheint sich das beim männlichen Geschlecht im Laufe des Erwachsenwerdens zu legen, während das Thema Selbstbefriedigung bei Frauen tabuisiert bleibt. Dabei kann die weibliche Bevölkerung zum Beispiel viel öfter zum Orgasmus kommen. Während Mann bekanntlich Widerherstellungspausen braucht, kann Frau über 20 Höhepunkt am Tag haben. Sportlich, aber nicht unmöglich. Wenn unser Potential so groß ist, warum reden wir nicht viel öfter darüber?

Projekte wie Femtasy wollen das Schweigen brechen. Indem sie einladen darüber zu sprechen, zuzuhören oder lustvoll zu stöhnen. Damit sich jede Zuhörerin wohl und schön fühlen kann, folgen die Texter (übrigens genauso Laien wie die Sprecher!) einem Bodypositivity-Prinzip, auf Beschreibungen wie „deine schlanken Beine“ oder „dein flacher Bauch“ wird in direkten Anreden also verzichtet. Obwohl die Seite für Frauen gemacht ist, werden auch nach und nach einige Aufnahmen speziell für Paare ins Programm genommen.

Also, worauf wartet ihr noch, Ladies? Seid laut, seid leise, erkundet euch und nehmt die Sache selbst in die Hand. Aber vor allem: lasst euch nicht den Mund verbieten.

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