Im Herbst 2019, 50 Jahre nachdem sexuelle Minderheiten beim Stonewall-Aufstand ein Ende der Polizeiwillkür und Diskriminierung forderten, startet Prinz Charming, die erste deutsche Datingshow, in der ein Mann einen Mann sucht. 1974 strich die American Psychological Association Homosexualität aus der Liste der psychischen Störungen. 1992 schloss sich der ICD 10-Katalog an, die international gültige Klassifikation aller Krankheiten. Und erst im Oktober 2013 entschied der Weltärztebund nachdrücklich, dass Homosexualität keine Krankheit sei und demnach nicht geheilt werden müsse. Es ist unvorstellbar, dass Homosexualität erst seit so kurzer Zeit für die Wissenschaft unstrittig nicht mehr als psychische Erkrankung gilt. Erst im August letzten Jahres bekannte sich der Vatikan öffentlich dazu, Homosexualität eindeutig nicht als Krankheit anzusehen. Man sollte meinen, dass Homophobie damit abgehakt ist, wenn sich sogar die katholische Kirche derart dazu äußert. Doch leider ist das bis dato noch Wunschdenken. Nach wie vor werden Konversionstherapien praktiziert, um Homosexuelle von ihren Neigungen zu „befreien“.

Was sind Konversionstherapien?

Konversionstherapie, auch Reparativtherapie, ist der Begriff für eine umstrittene Methode der Psychotherapie, die darauf abzielt, lesbische und schwule Menschen von ihren sexuellen Neigungen zu „heilen“. Diese Methoden werden überwiegend von evangelikalen Christen aus den USA wie beispielsweise der Ex-Gay-Bewegung praktiziert, es existieren aber auch deutsche Vertreter, die Konversionstherapien befürworten, zum Beispiel Wüstenstrom. Sie vertreten die These, dass Homosexualität kein Bestandteil der Persönlichkeit ist, sondern nur das Symptom einer therapier- und damit auch heilbaren Krankheit. Ihr Beratungsangebot ist jedoch keine Therapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes, dazu wäre eine Approbation notwendig.

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Der neue §175 StGB

Jens Spahn plant nun ein gesetzliches Verbot von Behandlungen gegen Homosexualität. Der Gesetzesentwurf soll bis Ende des Jahres vorliegen, das Gutachten des Rechtsprofessors Martin Burgi stützt dieses Vorhaben. Der Bundesgesundheitsminister beharrt auf der Durchsetzung, da die fälschlicherweise als Therapien bezeichneten Interventionen die Betroffenen nicht „heilen“, sondern massives psychisches Leiden verursachen.

Zwei SPD-Abgeordnete wollen für das Gesetz den Paragrafen 175 nutzen, den ehemaligen „Anti-Schwulen-Paragraf“. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden noch Männer aufgrund dieses Paragrafen verhaftet, erst 1994 wurden die letzten Überbleibsel aus dem StGB entfernt – die bestehende Lücke soll mit dem Gesetz zum Schutz vor „Homo-Heilern“ gefüllt werden.

Rechtliche Problematik

Allerdings gibt es auch einige Unstimmigkeiten. Zunächst die Frage, ob das Vergehen als Straftat oder Ordnungswidrigkeit gehandhabt wird und an wen sich das Verbot konkret richten soll. Und wie geht man damit um, wenn ein mündiger Erwachsener sich freiwillig einer solchen „Therapie“ unterziehen will? Die Lösung hierfür scheint einleuchtend: Für Minderjährige sollen die Behandlungen verboten werden, mit Ausnahme von Personen ab 16 Jahren, die über die nötige „Einsichtsfähigkeit in Bedeutung und Tragweite der Entscheidung“ besitzen. Für Volljährige gelten ebenfalls Einschränkungen, nämlich dann, wenn ein „Willensmangel“ vorliegt, die Person zum Beispiel gezwungen oder bedroht wird. Verstöße gegen das kommende Gesetz sollen mit einer Freiheitsstrafe oder hohen Bußgeldern geahndet werden.

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