Montag, Februar 17, 2020
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    Start Entertainment Wie aus Ehefrauen Kriegerinnen wurden

    Wie aus Ehefrauen Kriegerinnen wurden

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    Welche Frau wäre als Kind nicht gerne eine Märchenprinzessin gewesen? Unter dem Einfluss von Schneewittchen, Belle, Cinderella und Co. träumten wir von heldenhaften Abenteuern und dem Prinzen auf dem weißen Pferd, der uns vor allen Gefahren beschützen würde. Nicht zu vergessen all die putzigen Tiere, die alles aufräumen und putzen, sobald man sein zartes Stimmchen erhebt.

    1937, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, sah die Welt noch ganz anders aus. Während es 2019 normal ist, noch mit 30 zu studieren, keinen festen Partner zu haben und vielleicht sogar noch bei den Eltern zu wohnen, hatte man in den 30er Jahren bereits geheiratet und eine Familie gegründet – egal ob Männlein oder Weiblein.

    Schaut man sich Disneys Meisterwerke mit Prinzessinnen in chronologischer Reihenfolge an, müssen wir bis einschließlich Dornröschen von 1959 damit leben, dass frau von einem Prinzen gerettet werden muss und auch sonst nicht viel zu tun hat, außer zu singen, zu tanzen und ja – das war´s. Zugegeben, 1989 mit Arielle wurde es noch nicht wahnsinnig viel besser, aber Belle von 1991 konnte sich als emanzipierte Frau schon sehen lassen. Belesen, intelligent und keinerlei Interesse daran, bei Schönling Gaston das Heimchen am Herd zu spielen. Doch letztendlich bekam auch sie ihren Märchenprinzen und lebte glücklich bis an ihr Lebensende

    Von putzenden Prinzessinnen zu starken Frauen

    Wahrscheinlich fragt ihr euch schon, wann wir denn endlich zu den starken, unabhängigen Frauen kommen, die gar keinen Mann mehr für ihr Glück brauchen. Nun, das dauert noch ein bisschen, genauer gesagt 17 Jahre! Jetzt befinden wir uns erstmal im Jahre 1995 und Pocahontas erscheint in den Kinos. Die mutige Ureinwohnerin (die es übrigens wirklich gegeben hat!)
    entscheidet sich dazu, bei ihrem Stamm zu bleiben, anstatt mit ihrer großen Liebe John Smith nach England zu segeln.

    In den folgenden Jahren werden nicht nur die Charaktere stärker, es wird auch mehr Wert auf Humor in Form von Wortwitzen und Anspielungen gelegt. Paradebeispiele hierfür sind Herkules und Mulan aus den späten 90ern, die mit witzigen Sidekicks und toughen Frauen aufwarten. Auch wenn die Damen am Ende doch ihren Traummann bekommen, liegt ihr Fokus nicht darauf, einen Ehemann zu finden. Mulan zum Beispiel, die ebenfalls einen historischen Hintergrund hat, zieht als Mann verkleidet an der Stelle ihres Vaters in den Krieg, um ihn zu schützen.

    Keine Männer, andere Probleme

    Kommen wir zu den Filmen, die den Sprung ins feministische Zeitalter geschafft haben! Die ersten von euch brüllen jetzt schon „Der Eiskönigin!“ Der Animationsfilm, der zu einem Symbol der Frauenpower geworden ist, aber im Jahr vor Elsa und Anna gab es schon eine Prinzessin, die sich nicht so einfach verheiraten lassen wollte. Die Rede ist von Merida, der Titelfigur des 2012 erschienen Disney/Pixar-Films Merida – Legende der Highlands. Den Mittelpunkt der Geschichte bildet die Beziehung zu ihrer Mutter, für eine Lovestory ist kein Platz. Überraschenderweise wird dieser Film kaum genannt, wenn von starken, männerlosen Prinzessinnen die Rede ist. Eiskönigin Elsa und ihre Schwester Anna sind das mustergültige Beispiel für zwei Frauen, die nureinander brauchen und auf jeden Mann verzichten können – obwohl Anna anfangs noch überstürzt heiraten will. Hier reagiert zum ersten Mal ein Charakter mit der einzig angebrachten Reaktion: „Du kennst ihn erst seit heute, ihr könnt noch nicht heiraten!“ Letztendlich wird auch nicht geheiratet und die Gerüchteküche munkelt, dass Elsa vielleicht die erste lesbische Disneyprinzessin werden soll.

    Emanzipation abseits von Disney

    Aber nicht nur im Disney-Universum gibt es starke Frauen, die eine feministische Entwicklung durchlebten. Rotkäppchen gehört zu den am häufigsten bearbeiteten, und parodierten Märchen überhaupt. Jeder, der eine Ausgabe der Grimms Kinder- und Hausmärchen im Bücherschrank stehen hat, erinnert sich an die heldenhafte Rettung des kleinen Rotkäppchens und seiner Großmutter aus dem Bauch des Wolfs. Doch wusstet ihr, dass die Geschichte auch schon anders ausgegangen ist und die Moral ursprünglich eine ganz andere war?

    Die erste bekannte literarische Version des Rotkäppchens stammt von Charles Perrault aus dem Jahr 1697. Dort trotzt Rotkäppchen der Warnung, nicht vom Weg abzukommen, und ermöglicht so dem Wolf die zeitige Ankunft bei der Großmutter. Als sie dort eintrifft, legt sie sich nackt zu ihm ins Bett und erkennt ihn zu spät, sodass sie auch gefressen wird. Auch hier befreit der Jäger sie aus dem Bauch des Tieres, ehe er den Wolf erschießt.
    Bei Perrault tritt der Wolf als Verführer auf, das Märchen soll junge Mädchen vor Übergriffen der Männer warnen. Denn nicht immer seien die bösen Absichten sofort zu erkennen, erklärt der Autor in einem kurzen Gedicht am Ende.

    Mehr Charakter, mehr Witz

    Was uns auch heute noch wie eine gute Botschaft erscheint, fanden die Brüder Grimm 1812 zu sexuell und gewalttätig. Seitdem steht Rotkäppchen nur noch an Großmutters Bett, anstatt hineinzuklettern und der Jäger erschießt den Wolf auch nicht mehr, sondern sein Bauch wird mit Steinen gefüllt, die zu seinem Tod führen. Auch das Gespräch mit der Mutter wird umgeschrieben, sodass Rotkäppchen nun eher wie ein dummes und naives Kind wirkt, welches für seinen Ungehorsam bestraft wird. Die geänderte Moral der Geschichte ist ganz eindeutig: Hör auf deine Eltern, oder dir passiert Schreckliches!
    Immerhin wird Rotkäppchen noch in derselben Ausgabe eine Fortsetzung zugestanden, in der sie beweisen kann, was sie aus dem ersten Vorfall gelernt hat und sie bringt das Tier gemeinsam mit der Großmutter zur Strecke. Während das Märchen im 19. Jahrhundert überwiegend gleich blieb, sich entschieden im 20. Jahrhundert mehrere sowohl männliche als auch weibliche Autoren, den Stoff für sich zu nutzen. Rotkäppchen wurde vermehrt witziger und auch realistischer dargestellt. Natürlich sind auch alberne Varianten in Beamtendeutsch und Rotkäppchen als Kommunistin (Rote Kappe, ihr versteht) nicht ausgeblieben, aber immerhin ist eine gemeinsame Grundidee zu erkennen: Rotkäppchen zu der intelligenten und selbstständigen Figur zu machen, die sie verdient zu sein.

    Wie ihr seht, es hat sich einiges getan im Laufe der Zeit. Die Prinzessinnen reiften mit der Frauenbewegung und wurden von bloßen Ehefrauen zu starken Charakteren. Was denkt ihr, zum Sprung ins 21. Jahrhundert fehlt doch bloß noch ein schwules Prinzenpaar, oder?

    Carolin Annuscheit
    Carolin Annuscheit
    Slam Poetin / Horror Movie Addict / Mental Health Warrior

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