Dienstag, März 31, 2020
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    Deepfakes: gefährliche Oberflächlichkeit

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    Wenn man sich eingestehen muss, dass ein Zeitalter durch das Wort Fake charakterisiert wird, dann scheint der Mensch an irgendeiner Weggabelung seiner technischen und kulturellen Evolution falsch abgebogen zu sein. Nachdem aus dem großen Aufschrei über Fake News mittlerweile eher ein Meme geworden ist, das im Netz genauso verschleudert wird, wie Ok Boomer, steht seit geraumer Zeit der Begriff Deepfake im Raum. Schon als wir in der Redaktion das erste Mal davon gehört haben, war das Thema schon deutlich zu komplex, um es als bloße Frage für unsere App zu verpacken. Mit dem Magazin aber haben wir die Möglichkeit zu fragen: Was zur Hölle ist das eigentlich?

    Vor drei Jahren erschien mit dem Star Wars-Ableger Rogue One ein Film, der zu Zeiten vor der 1977 erschienen Episode IV spielt. Einen neuen Schauspieler in das Kostüm von Darth Vader zu stecken, ist das eine. Das andere ist, Guy Henry und Ingvild Deila wie den verstorben Peter Cushing oder die junge Carrie Fisher aussehen zu lassen. Eine derartige Anwendung erscheint im Hinblick auf Historienfilme, verstorbene Schauspieler oder „gedoppelte“ Schauspieler (siehe Gemini Man mit dem doppelten Will Smith) durchaus spannend zu sein. Der Konzern Samsung sorgte für Aufsehen mit einem Video der Mona Lisa – bekanntermaßen ein starres Tafelbild da Vincis. Doch im Video scheint sie wie am Leben zu sein. Die Technologie, die Samsung erforschen lässt, soll vor allem alte TV-Bilder qualitativ aufwerten können, wie das Handelsblatt berichtet.

    Promis, Pornos, Präsidenten

    Wie bei jeder – ob guten oder schlechten – Idee, schaltet sich irgendwann das Internet ein. Zunächst waren da Apps, die mit simplen Face Swaps für Unterhaltung sorgten oder mit Hilfe denen man sich selbst in Filmszenen schneiden konnte. Nun gibt es aber die Internet-Rule 34: If it exists, there is porn o fit. No exceptions. Und selbstverständlich konnte man anhand derartiger Technologie Wonder-Woman Gal Gadot mit ihrem Stiefbruder schlafen lassen. Porno-Fakes sind natürlich nichts neues, schlechte Photoshop-Fakes oder Lookalike-Pornos sind vermutlich älter als MySpace. Nur ist die Qualität beängstigend, mit der Künstliche Intelligenz im Sinne des Deep Learning heute arbeiten kann.

    Ein Internet-Klassiker sind auch Montagen, bei denen Gesichter von Politikern vertauscht werden. So kursierte eine Rede Melania Trumps mit dem Gesichts Putins durch das Netz – auch Hitler wurden schon die verschiedensten Körper angeeignet, um auf diversen Portalen für schnelle Lacher zu sorgen. Gruselig wird es dann, wenn der Comedian Bill Hader in einer US-Late Night Show Tom Cruise parodiert und dabei immer wieder die Gesichtszüge seines Gag-Opfers durchkommen. Da ist man fast froh, wenn sich der ehemalige US-Präsident Barack Obama per Video zu Wort meldet und vor den Gefahren der Deepfakes warnt. Und Donald Trump als „dipshit“ bezeichnet … Moment?

    Quelle: Shutterstock.com

    Der Reiz des Verbotenen

    Auf „Politiker“ scheint kein Verlass mehr. Wie sieht es mit der gute alten Doku aus? Im Februar 2018 zeigte der NDR eine Dokumentation über eine Familie, in der natürlich auch gezeigt wurde, wie das alltägliche Leben so aussieht. Eine Frau präsentierte stolz die selbstgemachte Dekoration: Reichsadler und Hakenkreuz. Das hatte natürlich nichts mit dem eigentlichen Tribal, welches an der Wand prangte, zu tun. Zeigt aber dennoch deutlich, wie sehr anhand Deepfakes manipuliert werden kann.

    Anfang Dezember 2019 berichtete Golem.de, dass Chinas Behörden ab Jahresbeginn 2020 gegen Fakes vorgehen will – die Manipulation muss also erkennbar gekennzeichnet werden, sonst hagelt es Strafen gegen die Urheber und die Hoster. Damit stehen die Chinesen natürlich nicht alleine da: die eingangs erwähnten Fake News waren eines DER Themen im US-Wahlkampf 2016. Nächstes Jahr beginnt die neue Runde des Wahlkampfs, weswegen sich das Parlament intensiv damit beschäftigt, inwiefern Deepfakes ebenjenen beeinflussen könnten. Der Spiegel berichtet von einer GSI Technology-Studie, die besagt, dass unvorbereitete Menschen in weniger als 50% der Fälle einen Deepfake als solchen erkennen.

    Ein zweischneidiges Schwert also: jeder spannenden Möglichkeit, die sich für Filme, Serien und Games bietet, steht ein manipulativer Missbrauch gegenüber. Das Jahr 2020 wird diesbezüglich sicher einiges mit sich bringen.

    Tim
    Tim
    Autor. Hat mal studiert. Studiert immer noch. Schreibt trotzdem. Oder genau deswegen.

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