Montag, Februar 17, 2020
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    Fußball an Weihnachten: Tradition und Strandgekicke

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    Der Profi-Fußball ist heutzutage so durchgestylt und konzipiert, dass der Fall um den FC Liverpool wie eine Farce wirkt: zwei Spiele innerhalb von 24 Stunden in offiziellen Pokalwettbewerben zur Weihnachtszeit. Kann man mal machen, oder? Trainer Jürgen Klopp zeigte sich zuletzt alles andere als begeistert, jüngst ließ der Verein aber verlauten, in beiden Wettbewerben anzutreten. Klopp selbst begleitet seine Top-Elf nach Katar zur FIFA-Klub-WM, während der U23-Coach Neil Critchley die Daheimgebliebenen im EFL-Cup gegen Aston Villa unterstützt. Ein Fall, der anregt, sich den Fußball in der Weihnachtszeit mal etwas genauer anzuschauen.

    Absurde Anstoßzeiten und gefühlt täglicher Spitzenfußball – dem Thema widmeten wir uns bereits in einem Artikel über Streaming und Fußball. Bezeichnend, dass wenige Tage später bekannt wurde, dass zur Saison 2021/22 Champions League-Spiele bei Amazon Prime laufen werden. Doch bei aller Kritik: dass der Ball an Weihnachten rollt, ist kein Einfall von Anzugträgern mit Dollarzeichen in den Augen, sondern eine über 150 Jahre alte Tradition.

    16 Freunde müsst ihr sein

    Der sogenannte Boxing Day gehört zu den bekanntesten Weihnachtsbräuchen des Commonwealth of Nations, welcher zumeist am 26. Dezember stattfindet. Wo dieser Tag gefeiert wird, gehört großer Sport zum Programm. Angefangen hat alles im Jahr 1860 in Sheffield. Als ältester Fußball-Club der Welt kann der FC Sheffield stolz von sich behaupten, großen Einfluss auf den heute weltweit beliebten Sport gehabt zu haben. So haben einige der Sheffield-Regeln nach wie vor Gültigkeit – man stelle sich Fußball ohne Ecke oder Latte vor, aber auch Innovationen wie das Flutlicht stammen aus der englischen Stadt.  Neben dem ersten internationalen Fußballspiel kann sich die Stadt auch das erste bekannte Derby auf die Fahnen schreiben: am 26. Dezember 1860 standen sich der FC Sheffield und der neugegründete FC Hallam gegenüber. Mit je 16 Spielern auf dem, wie sollte es anders sein, ältesten Fußballplatz der Welt.

    Aus dem netten spielerischen Vergleich zwischen zwei Sheffielder Vereinen wurde heute eine Institution des englischen Fußballs. So erklärt sich dann auch der absurde Kalender, dem Jürgen Klopp mit seinem Team in den nächsten Tagen folgen muss. Wenn seine B-Elf im Pokal gegen Aston Villa antritt, bereitet er sich selbst bereits auf das Halbfinale der Klub-WM vor, welches am 18. Dezember im Khalifa International Stadium in Katar ausgetragen wird. Drei Tage später müssen die Reds entweder im Spiel um Platz 3 kämpfen oder sich im Finale mit einem der internationalen Teilnehmer messen – das Ligaspiel am selben Tag, in dem es auswärts gegen West Ham gehen würde, wurde verschoben. Nach dem stressigen Rückflug aus Katar aber können die Füße nicht hochgelegt werden: am Boxing Day tritt Liverpool beim aktuell Zweitplatzierten Leicester City an. Deutsche Teams sind dann schon lange im Urlaub bis Mitte Januar.

    Quelle: Shutterstock

    Ein bisschen durchdrehen

    Natürlich haben auch andere Länder und Ligen den Weihnachtsbraten gerochen und mit ihren Anstoßzeiten und Spieltagen rumexperimentiert – ganz im Sinne der Nächstenliebe … oder war es doch nur die Auslandsvermarktung? Denn wenn eine europäische Top-Liga ihre Fans um 12 Uhr mittags ins Stadion bittet, kann man das Spiel in Thailand zur Prime Time sehen. Zwar gönnt man jedem weltweit von Herzen Fußballgenuss, jedoch bleibt ein fader Beigeschmack. Im Jahr 2017 kam man so in Italien auf die Idee, die Weihnachtszeit voll zu nutzen: Spiele bis zum 23.12., Pokal am Boxing Day und anschließend weitere Ligaspiele bis Silvester. Das Experiment war (zum Glück? Oder leider?) wenig erfolgreich – in diesem Jahr ruht der Ball in Italien.

    Fußball an Weihnachten: ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite eine geliebte Tradition auf der Insel, auf der anderen Seite eine Möglichkeit, noch mehr Geld mit dem einstigen Volkssport zu generieren. Wenn man 18. Dezember das erste Spiel der FIFA-Klub-WM angepfiffen wird, steht dem Gastgeber al-Sadd SC aus Katar der OFC Champions League-Sieger Hienghène Sport gegenüber. Der neukaledonische Klub besteht unter anderem aus Strandkickern und einem Mensa-Betreiber. Wenn sich zu unserer Unterhaltung und vor allem aus kommerziellen Interessen der Oberen Sportler zur Weihnachtszeit auf den Rasen begeben müssen – dann sorgen sie ja vielleicht gar für ein kleines Fußball-Wunder.

    Tim
    Tim
    Autor. Hat mal studiert. Studiert immer noch. Schreibt trotzdem. Oder genau deswegen.

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